Pressemitteilung

Tag des Zugvogels: Immer weniger Liebesboten turteln in Hessen

10. Mai 2024 | Landwirtschaft, Naturschutz, Biologische Vielfalt

Die Turteltaube: Sie gilt als Glücks- und Liebessymbol, doch bekommt man sie nur selten zu Gesicht.

Turteltaube Turteltauben werden in Hessen immer seltener.  (Foto: LBV / Tunka Zdenek)

Mit den Tauben in Innenstädten hat die Turteltaube (Streptopelia turtur) wenig gemeinsam. Sie gilt als Glücks- und Liebessymbol und – anders als Ringeltauben (Columba palumbus) – bekommt man sie nur selten zu Gesicht. Das liegt nicht nur daran, dass sie weniger auf Marktplätzen turtelt und mehr in Ackerlandschaften. Sondern an zwei weiteren Gründen für ihren seltenen Anblick: Sie verbringt den Großteil des Jahres in Afrika, denn als einziger Zugvogel unter unseren heimischen Tauben hat sie nur eine kurze Brutzeit bei uns. Weitaus tragischer ist jedoch der zweite Grund, der die Turteltaube so rar macht – die abnehmenden Bestände der Art.

Im gesamten Bundesgebiet wird die Art seltener, auch in Hessen. Zwischen 1980 und 2019 sind die Vorkommen der Turteltaube in Deutschland um 89 % zurückgegangen. Im restlichen Bundesgebiet war es immer schlechter um die Art bestellt als in Hessen, weshalb Hessen aufgrund der noch relativ großen Population eine besondere Verantwortung für die Turteltaube hat. Doch wie lange noch? Auch in Hessen ist der Trend besorgniserregend, weshalb der Zugvogel auf der Roten Liste der bestandsgefährdeten Brutvogelarten als „stark gefährdet“ (Kategorie 2) geführt wird. Zwischen 2016 und 2022 sind die Bestände der Turteltaube in Hessen geschrumpft, um schätzungsweise 10 bis 30 %.

Intensive Landwirtschaft – intensive Bedrohung

Die Turteltauben leiden enorm unter der Intensivierung der Landwirtschaft. Den Zugvögeln fehlt es vor allem an kleinen Sämereien einer artenreichen naturnahen Agrarlandschaft. Hoher Pestizideinsatz sowie das Fehlen von Brachen und Feldränder erschweren den Turteltauben das Überleben. Viele frühere Brutplätze in der Agrarlandschaft sind heute verwaist. Die Liebesboten ernähren sich fast ausschließlich von Wildkräuter- und Baumsamen. Dem Vogel des Jahres 2020 schmecken Samen z.B. von Vogelwicke, Erdrauch oder Leimkraut besonders gut. Da diese Pflanzen in der intensiven Landwirtschaft jedoch als „Unkraut“ bekämpft werden, fehlt den Turteltauben das Futter. Die aktuellen Beschlüsse zur Agrarpolitik, mit denen die Bemühungen um mehr Naturnähe eine Niederlage erlitten haben, sind für Turteltauben ganz schlechte Nachrichten.

Farbenfrohe Veganer

Die kleinen, farbenfrohen Tauben werden 25-28 cm groß, somit etwas größer als eine Amsel. Ihr Aussehen ist im Vergleich zu anderen heimischen Tauben recht exotisch. Neben ihren rostroten Augen zeichnen der schwarz-weiß gestreifte Fleck am Hals sowie die auffällig gemusterten Federsäume die Turteltaube aus: Die Flügel sind orange-schwarz gefärbt, wobei die Maserung an Fischschuppen erinnert. Der Grundton des Vogels ist rosa-gräulich und der Bauch eher weiß.

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